Kennst Du den Niffler aus „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind?” Eine herrlich facettenreiche und liebenswerte Figur. Für mich der Star der ganzen Geschichte. Er steckt alles, was wertvoll ist und glänzt in seinen Bauchbeutel und sieht aus wie eine Mischung aus Känguru, Schnabeltier und Maulwurf.
Warum komme ich be Taschen auf den Niffler? Ich weiß es nicht. Wenn die Kreativität erstmal angesprungen ist, dann springt sie teils merkwürdige Haken. Vielleicht ist es eine verkappte Sammelsucht? Ein weiblicher Trieb, wie das Schuhe horten oder auf Glitzerzeug stehen? Es ist einfach entstanden und ich kann’s nicht sein lassen – Niffler eben.
Ich möchte Dir in diesem Artikel etwas mehr über die ersten Taschen erzählen.
Es fing eigentlich mit einem YouTube Tutorial an. Mir gefiel die Idee, die Machart und ich hatte Lust auf handwerkeln.
Das erste Taschenprojekt!
Eine „Vogue-Tasche” (Foto oben). Die Falttechnik ist vielen mittlerweile bekannt. Das Material besteht aus einer Vogue, viel transparenter Klebefolie, einem Gurt, Ringen für Duschvorhänge, großen Druckknöpfen und Nylonfaden.
Die Tasche macht was her, auch in real. Noch dazu ist die Haptik herrlich glatt und die Tasche glänzt. 🙂
ABER: Mich störte zunehmend etwas. Alles waren neue Materialien, insbesondere die Masse an benötigter Folie war für mich Stein des Anstoßes. Aber auch die Nutzung der Vogue. Die ist sicherlich stylisch, mit viel ästhetischer Fotografie gesegnet und bunt. Aber unterm Strich: So bin ich nicht.
Es wuchs die Idee, ebenfalls inspiriert durch ein anderes YouTube Tutorial (was für eine herrliche Fundgrube, wenn ich es von der positiven Seite betrachte), aus meiner recht umfangreichen Plastiktütensammlung eine weitere Tasche zu kreieren. Ich wollte aus Vorhandenem etwas Neues schaffen – Upcycling also – mit der schon bekannten Falttechnik. Es entstand…
… die Laptoptasche – das zweite Taschenprojekt.
Es brauchte viele Plastiktüten und diverse Verwandte und Bekannte, die für mich vornehmlich bunte und saubere Tüten sammelten oder aus ihrem Sammelfundus hergaben. Was ich neu gekauft hatte, war wieder eine Gurt, Nylonfaden, große Druckknöpfe und Duschringe. Es dauerte ewig, bis die Tasche fertig war. Der Nachschub an Plastiktüten war schwierig.
Mittlerweile kann man die Tasche als Zeitzeuge einer vergangen Ära ansehen: Die bunte Plastiktüten-Zeit.
Was etwas schade ist, das Teil hat ein ziemliches Eigengewicht und die Duschringe müssten gelötet werden. Vielleicht ergibt sich irgendwann die Gelegenheit an solcherlei Gerätschaften zu kommen, denn die Ringe öffnen sich ganz gerne selbstständig bei der Benutzung.
Die Tachenherstellung ist ein einziges Experimentieren, ohne Anspruch auf Perfektion.
Die Taschen sind nicht perfekt. Und gerade das war für mich die allererste und wichtigste Lehre beim Tun. Siehe auch mein Blogartikel „#beyondwithcreativity”. Ich erkannte zunehmend, wie wichtig und heilsam das Einfach-anfangen war. Ohne Anspruch, mit Freude und Lust. Mit wenigen vorhandenen Dinge etwas Neues erschaffen.
Erst vor Kurzem wurde mir klar, wie wichtig diese Erfahrung für die jetzigen schwierigen Zeiten sein könnte. Es braucht mehr Alltagskreativität und Mut etwas anzufangen ohne viel Konzept und doppelten Absicherungsboden. Man wird beim Gehen lernen – unweigerlich. Aber dann ist auf jeden Fall ein Anfang gemacht worden. Anstatt auszuharren, Warten auf Godot oder „Hauptsache sicher”. Die Zeiten der Sicherheit sind einfach vorbei.
Außerdem: Kreativ sein ist genauso wichtig für uns Menschen, wie die körperliche Nahrung. Nur eben auf seelisch emotionaler Ebene. Kein Mensch kann eigentlich ohne Kreativität leben.
Zufallsfunde schafften neue Taschenideen …
Bei der ganzen Tütensammelei über Bekannte, bekam ich eines Tages einen ziemlich großen Sack voller Tüten jeglicher Art und Farbe. Unter anderem waren ziemlich viele dieser dünnen Gemüsetüten beinhaltet. Genau die Sorte, die ich für die Laptoptasche nicht gebrauchen konnte.
Was tun? Ich konnte sie nicht wegschmeißen. Sie waren außerdem interessant in der Haptik und akustisch beim Berühren – da springt mein ASMR-Muskel an und schnurrt innerlich.
So kam die Idee für das nächste Projekt: Taschen aus Gemüsetütengarn. Das erste Ergebnis: eine gehäkelte Shoulderbag. Der Beutel ist stabil und flexibel gleichzeitig. Man sieht teilweise, dass die Tüten gebraucht waren. Denn auch wenn ich auf Sauberkeit geachtet hatte, so waren doch kleine vorher nicht so sichtbare Verfärbungen im Plastik. Durch das Zwirbeln des Garns wurden diese erst sichtbar. Es ist okay und gehört dazu.
Ein Beispiel für das entstanden Material ist diese Gemüsetütentasche.
Herrlich imperfekt!
Ich nähe ohne Maschine. Alles per Hand. Das bringt nicht selten etwas schiefere Nähte hervor, oder man sieht manchmal den rückwärtigen Maschinenstich. Beim Handnähen habe ich das Gefühl, dass ich die Tasche er- und durchgearbeitet habe. Es macht mich zufriedener. Vielleicht etwas spleenig, aber seis drum. Und wenn ich etwas hinzufügen will, dass eigentlich nicht mehr passt, von den Nähten her oder ähnlichem, dann hilft mir das mittlerweile verinnerlichte Wissen: