Wie können Menschen ohne kreatives Tun überleben? Diese Frage stelle ich mir seit einigen Jahren. Wobei Kreativität nicht zwangsläufig gleichzusetzen ist mit künstlerischem Schaffen. Das war mein Irrtum – ist es auch der Deine? Dann lies gerne weiter.
Es wird eine kleine aber tief empfundene Ode an das absichtslose Tun, den Flow, an die Wichtigkeit der Kreativität in unserer jetzigen Zeit als Ressource und Wert.
Spielerische Neugier gepaart mit dem Wissenwollen eines Kindes, ist der Motor für Kreativität. Das Ergebnis ist erst einmal zweitrangig, wenngleich es durchaus ein Ziel gibt. Zum Beispiel ein Bild, ein Tanz, ein Text, eine Idee, ein inneres Bedürfnis etwas zu erschaffen oder eine dringende Lösung, ohne zu wissen wie, womit und wie lange es dauern wird. Werke/Lösungen entstehen nur beim Gehen. Und das, was nicht Wenige als heikel empfinden, ist der Anfang – das weiße Blatt, das Nichtwissen, keine Konzepte zu haben, außer dem Vertrauen auf seine eigene Fähigkeiten, Mut und Neugier. Das kann Angst machen. Da gibt es keine Sicherheiten dabei.
Kreativität kann man trainieren. Und mit etwas Training, wird man immer sicherer im Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten.
«Und wenn’s scheiße wird?» Ja, dann wird es eben scheiße. Wobei es meiner Erfahrung nach nicht scheiße wird sondern einfach anders. Und bei einem wirklichen Schöpfen von innen, NIE hässlich. Das geht nicht. «Und wenn ich keine Lösung finde?» Kann vorkommen. Dann warte und spüre, ob es gegebenenfalls nur nicht die richtige Zeit dafür ist. Verlass dich auf dein Gespür, das ist die neue Leitung.
Ein Beispiel für kreative Alltagslösungen…
Kürzlich benötigte ich eine Zange, um eine kleine durchgeglühte Kohltablette umzudrehen. Ein Rauhnächteritual. Mit den Vorhandenen hatte ich zu wenig Feingefühl für den Druck auf die Kohle. Die Kohle musste mit Bedacht behandelt werden, um sie auf bestimmte Art zu platziert. Also kam ich um eine Art Zange nicht drumherum, wenn ich mir nicht die Finger verbrennen wollte. Ich habe mittlerweile die Angewohnheit, trotz kleiner Wohnung, nicht alles wegzuschmeißen. Manches ist mir mittlerweile vom Rohstoff zu wertvoll, selbst die kleinsten Dinge. Und manches erscheint noch brauchbar. So forschte ich in meinen Gedanken was nützlich sein könnte und vorhanden ist. Zwei aufgehobene Teebeutelhalter aus Bambus kamen in den Fokus. Mit einem Gummi aneinander gebunden, ergaben sie eine zangenähnliche Apparatur. Für die Kohleplatzierung reichte es. Ansonsten wurde daraus keine anderweitig brauchbare Zange.
Du wirst vielleicht fragen, «Was ist daran ungewöhnlich?» Erstmal nichts. Aber der Transfer in die heutige Zeit ist wichtig. Menschen sind daran gewöhnt, dass alles jetzt und sofort zur Verfügung steht. Das genug Materielles zu horten (Haus, Geld, Auto, Versicherungen …), Sicherheit schafft. Das alles, was benötigt wird, gekauft werden kann. Das es dazu am besten noch ästhetisch und stylisch aussieht usw. Darauf vertraut die heutige Gesellschaft. Aber genau diese Sicherheit schwindet. Und die alte Generation, die in und nach dem Krieg kreativ sein mussten, dies also noch kennen, sind so gut wie ausgestorben.
Wir gehen mit rasanten Schritten in eine große Unsicherheit.
Ein Neuwerdungsprozess auf allen Ebenen ist im Gang. Unsicherheit kann Angst machen, aber auch eine Chance für eine tiefgreifende Wandlung sein. In dem Annehmen von Unsicherheit kann natürliche Kreativität wieder wachsen. In unerwarteten Situationen wird sie gebraucht, um neue Lösungen finden. Sie ist aus meiner Sicht definitiv einer der Top-Werte in diesem jahrelangen kompletten gesellschaftlichen und persönlichen Neuanfangszyklus.
Kreativität aus dem Inneren heraus, ehrlich und natürlich, ist in dieser Zeit ein unbedingter Wert für Menschen, für Mutter Erde und den beginnenden Neuanfang.
Alles ist in der Natur sinnvoll, stimmig und aufeinander fein abgestimmt. Miteinander wirkend. Selbst wenn reingefuscht wird, reguliert sich die Natur auf ihre Art, um ein neues Gleichgewicht zu schaffen. Alles was aus der Natur kommt ist nie hässlich oder nutzlos. Allenfalls anders 😉 …
Und by the way: Kreativ sein, macht nicht nur Spaß und Freude, sondern es ist ungemein gesund, heilsam und tief befriedigend.